Tablet-PC für Menschen mit Demenz

Keine Probleme mit I-Pad und Co. haben Demenzkranke: Angehörige können sich für den nächsten Besuch unterhaltsame Spiele-Apps auf ihr Tablet laden.

In einer Pilotstudie der Berliner Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)wurde erstmalig untersucht, welchen Nutzen Tablet-Anwendungen, wie z.B. Quizspiele oder Buchstabenrätsel, in der Beschäftigung und Therapie von demenziell erkrankten Menschen haben können.

Forscher der Charité fanden dabei Hinweise darauf, dass die eingesetzten Apps Demenzkranken helfen könnten, ihr Gedächtnis zu trainieren, miteinander zu kommunizieren und dadurch am Alltag  – z.B. in einem Wohnheim oder einer Wohngemeinschaft – besser teilhaben können. Auch typische Verhaltensauffälligkeiten von Demenzkranken, wie innere Unruhe oder Apathie, konnten bei den Studienteilnehmern reduziert werden.

Keine Berührungsängste bei Tablet-PCs

ipad-388129_1280 (1)Der Einsatz von Tablet-Anwendungen hat die Wissenschaftler in mehrfacher Hinsicht überzeugt. Die größten technischen Vorteile liegen in ihrer leichten Bedienbarkeit sowie ihren multifunktionalen Anwendungsmöglichkeiten. „Unsere ersten Untersuchungsergebnisse zeigen Möglichkeiten auf, wie mithilfe von Tablet-Computern das Wohlbefinden von demenzkranken Pflegeheimbewohnern, ihre Selbstständigkeit und soziale Einbindung gestärkt werden und so letztlich auch Pflegekräfte entlastet und der Kontakt zu Angehörigen verbessert werden kann“, erläutert Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Leiterin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité.

Obwohl die Technik den Studienteilnehmern, zwölf Damen und zwei Herren zwischen 76 und 100 Jahren mit diagnostizierter Demenz, noch kurz zuvor gänzlich unbekannt war, gab es kaum Berührungsängste. „Wenn jemand erst skeptisch war, dann die Angehörigen“, erklärt dazu Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey. Die spielerischen und interaktiven Möglichkeiten der Apps bereiteten demnach den demenziell erkrankten Bewohnern große Freude und förderten ihre Kommunikationsbereitschaft – unabhängig davon, ob sie Fragen eines Quiz beantworten, Wortketten erstellen oder verdeckte Buchstaben finden mussten.

Insgesamt wurden im Rahmen des Pilotprojektes mit der Tablet-Technik 200 Einzelaktivierungen und 40 Gruppenaktivierungen durchgeführt, darunter z.B. auch  Buchstabenspiele, die eigentlich für Leseanfänger gedacht sind: Bei diesen Apps für Kinder gibt es Lob, wenn man eine Aufgabe richtig gelöst hat. Das freut natürlich auch alte Menschen.

Selbst testen und App herunterladen

Damit Sie zusammen mit ihrem von Demenz betroffenen Angehörigen ohne große Aufwand testen können, wie leicht sich Spiele auf einem Tablet-PC umsetzen lassen, empfiehlt das Team von vita:bless eine Memory-App für Menschen mit Demenz. Das Gedächtnisspiel heißt „Das passt!“ und ist genau auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und Menschen mit Verwirrtheitssymptomen abgestimmt. Dabei muss man wie bei dem Memory für Kinder zusammengehörige Bilderpaare finden. Entwickelt wurde die App vom Fachverlag Vincentz Network. Herunterladen kann man sie z.B. auf der Webseite der Computerzeitschrift Chip.

Quelle: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Berliner Tagesspiegel, Vincentz Network, Chip /  Foto: pixabay

 

 

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